Sigrid Schumacher

Heute haben wir ein sehr ausführliches Interview mit Sigrid Schumacher, 56, gebürtige Bremerin, Diplom-Designerin und Inhaberin des Labels PROTOTYPE.Schumacher.

Sie hat die Fragen von Phil Porter ausführlich beantwortet und einiges zum Viertel, der Kunst- und Modewelt und ihrem Atelier erzählt.

 

 

 

Was bietest Du an?
Ich biete Mode, hauptsächlich für Frauen, für alle Gelegenheiten des Lebens- für alle Tage, alle Nächte, alle Feste, alle Jahreszeiten, alle Lebensalter. Ich möchte die Frauen schön machen und ihnen Kleider geben, in denen sie sich wohlfühlen, die einen extrem hohen Tragecomfort haben, die einfach zu pflegen sind, fast alle Modelle schadstofffrei und alles nachhaltig in Bremen im eigenen Atelier angefertigt. Dazu gehört auch, dass es meine Kollektion nicht nur pret a porter, sondern auch als individuelle Couture Anfertigung gibt. Nicht nur individuelle Größen, sondern auch auf die Kundin abgestimmte Farbkombinationen sind möglich. Für Künstler werden oft Bühnen- oder Tourneeoutfits speziell entworfen und angefertigt.

 

Wo bist Du?

Die Boutique befindet sich im Fedelhören 99

 

Was erwartet die Leute?

In der Boutique erwartet die Leute neben der PROTOTYPE.Schumacher Kollektion mit dazu gehöriger perfekter Beratung auch eine unglaublich umfangreiche und exquisite Auswahl an Modeschmuck internationaler Designer

 

Auf welchen Internet-Portalen bist Du vertreten?
Es gibt die Website www.prototype-schumacher.com , das Facebookprofil PROTOTYPE.Schumacher und den Instagramaccount prototype.schumacher

 

Welche Wege führten Dich in die Welt der Kunst?

Zur Kunst allgemein bin ich durch verschiedene Auslöser gekommen. Meine Großeltern besaßen bereits seit den 20er Jahren eine Mappe mit Drucken von Heinrich Vogeler, die sie von einer Freundin gekauft hatten, um die Worpsweder Künstler zu unterstützen. Ihre Erzählungen veranlassten mich, mich mit Vogeler, Jugendstil, Graphik, seiner Architektur und auch Kleiderentwürfen zu beschäftigen. Daraus entwickelte sich sehr schnell auch das Interesse für fernöstliche Kunst und Kleidung. Im zarten Alter von 11 Jahren sah ich „Neues vom Kleidernarkt“ von Antonia Hilke ARD im Schwarzweissfernseher. Vor meinem inneren Auge war der Modenschauausschnitt von Kenzo Jap (Kenzo Takada) in Farbe. Das war tatsächlich der Auslöser für mich, unbedingt Mode machen zu wollen. Schönheit, Freude, Energie, Lebenslust, Phantasie, gestalterische Freiheit, alles zusammen, konzentriert in einer Show. Von dem Moment an war ich Fan und wollte sowas auch machen

 

Was bedeutet das Viertel als Kulturstandort für Dich?
Im Viertel ist es insbesondere der Fedelhören, der Kunst, Kunsthandwerk, Mode, Goldschmiede in einer Straße sehr konzentriert vereint. Die Nachbarschaft inspiriert und stärkt. Wer in Bremen Mode sucht, kommt auf jeden Fall in den Fedelhören, weil es von internationaler Designermode bei Krueger über meine Kollektion bis zu klassischeren Handwerkskollektionen in der Straße eine große Auswahl in sehr guter Qualität gibt.

 

Wie entsteht ein Werk von Dir?
Es entstehen zweimal im Jahr Kollektionen, Themen, die die Modelle der vorherigen Saisons ergänzen, aber nicht ersetzen. Das Thema wird recherchiert, nach einer Phase des Brainstorming kommt eine Ordnung, eine Kollektionsreihenfolge, die eine Geschichte erzählt. Neben unseren Klassikern, wie z.B. unserer berühmten Basichose, entwerfe ich Oberteile, Röcke, Hosen, Kleider, Catsuits, Badeanzüge…… Ich konstruiere die Schnitte, entwerfe die Applikationsschablonen, schneide die Teile zu, nähe, fitte und style sie. Für die Show , die das eigentliche künstlerische Werk darstellt, gestalte ich den Ablauf, die Musik, Auswahl und Look der Models. Oft sind es keine reinen Catwalk Shows, sondern Cooperationen mit Kulturinstitutionen. Dann werden oft Performances inszeniert. In der Vergangenheit gab es solche aufwändigen Events mit dem Theater Bremen (unter Prof Dr Klaus Pierwoss), dem Museum Weserburg (in der Helmut Newton Ausstellung), dem Horst Janssen Museum, der Zeche Zollverein, in der Bremer Landesvertretung in Berlin (Cooperation mit den Kunstsammlungen Böttcherstrasse), dem Designzentrum Bremen, dem Gerhard Marcks Haus Bremen.
Normale Fashion Week Modenschauen hatten wir auf der New York Fashion Week, Paris Fashion Week, Düsseldorf IGEDO und CPD, Mercedes Benz Berlin Fashion Week, MQVIENNAFASHIONWEEK

 

Welchen Aufwand betreibst Du, um künstlerisch aktiv zu sein?
Viel Arbeit, etwa 80 Stunden pro Woche, Reinvestition aller Einnahmen in die Kollektion

 

Warum bist Du KünstlerIn?

weil es gar nicht anders ginge. Ich brauch das wie die Luft zum Atmen

 

Warum ist Kunst wichtig für die Gesellschaft?

Mit Kunst kann man Dinge ausdrücken, die sich nicht in Worte fassen lassen. Man kann Menschen auch emotional berühren, sie glücklich machen, Ihnen helfen, etwas geben, wie Glück und Selbstbewusstsein

 

Welche Botschaft liegt Dir sehr am Herzen, die Du nicht mit Deiner Kunst auszudrücken vermagst?

Wer schöne Dinge haben möchte, die ihn glücklich machen, sollte nicht in den Billigketten danach suchen. Man sollte sich im Zweifel lieber wenig Menge aber viel Qualität leisten. Manche bezeichnen das als Luxus, für mich ist es eine Selbstverständlichkeit

 

Wo trifft man Dich zufällig im Viertel?
In der Bottega mittags zum guten Essen

 

Wie sah Dein erster Kontakt zum künstlerischen Handwerk aus?
Meinen handwerklichen Teil habe ich von meiner Mutter gelernt, die eine sehr gute Hobbyschneiderin war

 

Was bedeutet „Perfektion“ für Dich?
Perfektion ist für meine Mode selbstverständlich. Nur das allerbeste Material, perfekte Verarbeitung und Design ohne Verfallsdatum in Verbindung mit individueller, professioneller Beratung

 

Welche Rolle spielt das Handwerk in Deinem Schaffen?
Handwerk = Perfektion und Möglichkeit, Unikate zu produzieren im Gegensatz zu Industrie, die immer auf hohe Stückzahlen angewiesen ist

 

Welche Geschichte steht hinter dem schönsten Kunstwerk in Deiner Wohnung?

Einen wunderschönen japanischen Holzschnitt von Kitagawa Utamaro kaufte ich als Ferienjobberin in Paris. Auf dem Flohmarkt hatte ich gleich zu Anfang des einmonatigen Aufenthalts ein japanisches Lackschränkchen gesehen, aber den Lohn gab es erst drei Wochen später. Da war das Schränkchen weg, aber ein Graphikhändler hatte originale japanische Holzschnitte, von denen er offensichtlich keine Ahnung hatte. Von den acht Blättern verschiedener Künstler gefällt mir der Uramaro mit Präge- und Flimmerdruck am besten

 

Welche Einstellung hast Du zum Kunstmarkt?

Der internationale Kunstmarkt ist so pervers wie der internationale Modemarkt. Einige werden gehyped, nicht immer die Besten und die Preise sind astronomisch. Das hat nichts mit Wert, sondern nur mit Preis zu tun. Nicht mal geringe Stückzahl oder Exclusivität werden durch die Preise garantiert. Das ist wie aufgeblasener Aktienmarkt, lächerlich!

 

Welche Hürden müsste man nehmen, um zu werden wie Du?

Hürden ? Einfach machen !!!